Ach, was waren das für Zeiten, als der Klassenkampf noch tobte, der Häuserkampf noch wütete, der Kampf gegen die Startbahn West noch von einem naiven Glauben an das tatsächlich Machbare des Besseren geprägt war usw. usf.?
Andere.
Als sich die Revolution in den Neunzigern nachvollziehbarerweise in die Wohnzimmer zurückzog, da ging auch ein Stück Graffitti-Kultur vor die Hunde, die uns in den Jahrzehnten zuvor mit teils markigen, teils albernen Sprayer-Sprüchen wie

„Miete = Lohnklau“
„Wer zweimal mit der Selben pennt, der zählt schon zum Establishment.“
„Wer andern eine Grube gräbt, ist Bauarbeiter“ oder gar
„Legal, Illegal, Ikea-Regal“

das regelmäßige Streunen durchs Viertel versüßte.
Und wo seinerzeit ein grußloses „Nazis Raus!“ noch an der Tagesordnung war, hat sich natürlich auch die politische Positionierung mehr und mehr in die Privatsphäre verlagert. Gekämpft wird zwar immer noch, aber halt an etwas überschaubareren Fronten. Schließlich stören im täglichen Überlebenskampf die nervigen Mitbewohner, die ums Verrecken nicht mal das Klo putzen wollen, auf Dauer doch mehr als irgendwelche Skinheads, die man ja eigentlich, Hand aufs Herz, nur vom Hörensagen kennt.
„Häuserkampf“ anno 2008 geht daher folgerichtig so und nicht anders:

Miriam raus!
Miriam und Jürgen raus!
Vergiß die Nazis! Erst mal Miriam und Jürgen los werden, dann sind wir schon einen Schritt voran.
Politik der kleinen Schritte. Und kleinen Tritte.
Bockenheim wie eh und je den neuesten gesellschaftlichen Trends nicht nur auf der Spur sondern um mindestens einige Monate voraus.

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