Aber nun interessiert Sie vermutlich doch auch noch die Sache mit der „sexistischen Kackscheiße“, gell?
Also, es verhält sich so, dass ich am Sonntag in Marburg an der Lahn weilte. Und mein seit jeher großes Herz für Studentenstädte wurde wieder ein Mal bestärkt in seinem Empfinden. Es sind ja gern die kleinen Highlights, die einen glücklich stimmen, und so konnte ich ein intensives Schmunzeln nicht unterdrücken, wenngleich ich mich unter den denkbar schlechtesten emotionalen Begleitumständen und in Gegenwart der denkbar schlechtesten Gesellschaft (mein Vater) an jenem Ort aufhielt.
Irgendwelche kampfbereiten Erstsemesterinnen aus der Frauenfrauen-Neigungsgruppe hatten sich einen Jokus daraus gemacht, eine Sprühschablone mit der schönen Parole „Männerbünde = sexistische Kackscheiße“ zu produzieren, und diese ausgerechnet am Rathausplatz, also einem der touristischen Hotspots Marburgs, ausgiebig zum Einsatz zu bringen.
Also saß ich mit meinen Eltern und meinem Bruder in einem eher halbgutbürgerlichen Restaurant vor den Mauern des Rathauses, und egal wohin man sah, blickte man auf die omnipräsenten „Männerbünde = sexistische Kackscheiße“- Graffitti, und das gab dieser ohnehin bizarren Clash-of-cultures-Situation doch irgendwie einen rührend absurden Rahmen, und verlieh dem ekligen Sonntagsbraten ungewollt eine angenehm würzige Soße.
Meine Mutter tat so als wär nix, aber mein Vater fragte natürlich nach („was issen Kaggscheibe?“), und mein Bruder suchte händeringend nach irgendeiner Erklärung und einem schnellen Weg, aus dieser Misere wieder rauszukommen. Ich hielt mein Maul und lächelte in mich rein. Das ist bei den meisten Gesprächen im Familienkreise ohnehin das beste.

Das Schöne an Marburg ist, dass die Einheimischen, also sowohl Stadtverwaltung als auch der betroffene Kneipenwirt, sich offenbar nicht drum scheren, dass ihr Rathaus bzw. ihr Etablissement nun auf unabsehbare Zeit von dieser Sprayer-Message geschmückt werden. Muss man wohl mit leben in einer Studentenstadt, denken die vermutlich, bleiben wir unaufgeregt – und außerdem hat zumindest der Kneipenwirt ja früher selbst DKP oder so gewählt. In Amerika wären die Verantwortlichen umgehend standrechtlich erschossen worden, und auch an der alten Oper in Frankfurt hätte zumindest die Gebäudereinigungsfirma zeitnah einen gewinnbringenden Auftrag erhalten.

Den Frauenfrauen-Mädels sei allerdings ins Klassenbuch geschrieben:
Die Message ist ein wenig zu einseitig fokussiert. Schließlich fällt bei solch übertrieben aufdringlichem Sprayen eines einzigen Aspekts gänzlich unter den Tisch, dass Männerbünde Eurer Meinung nach ja nicht nur sexistische Kackscheiße sind, sondern bestimmt auch martialische Arschpisse, homophobe Drecksgülle und deutschtümelnde Fickwixe.
Oder lieg’ ich da falsch?
Kenn‘ mich, ehrlich gesagt, mit Hosenbünden besser aus.

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